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Historie

Zur Geschichte des Krankenhauswesens in Korbach

Bild der Rüdiger-Heilanstalt um 1910

In Deutschland haben sich erst ab Mitte des letzten Jahrhunderts die Hospitäler zu Krankenhäusern im heutigen Sinne entwickelt - das heißt zu Einrichtungen, in denen Kranke ärztlich und pflegerisch versorgt werden. Die zahlreichen im Mittelalter aus Sorge um das eigene Seelenheil gestifteten Hospitäler hatten den Charakter von Armenhäusern für Alte und Kranke.

Auch die im Mittelalter in fast allen größeren Städten anzutreffenden Häuser für Leprakranke und Aussätzige hatten nicht das Ziel, die Kranken zu versorgen, sondern sollten die Ausbreitung ansteckender Krankheiten verhindern. Im Übrigen wurde zu Hause geboren und gestorben.

Das erste urkundlich erwähnte Hospital in Korbach wurde von dem Ritter Heinrich Megdevelt zu seinem und seiner Angehörigen "Seelenheil" im Jahr 1349 gestiftet. In dem Hospital, das am zur Neustadt führenden Tränketor errichtet wurde, sollten sechs arme und altersschwache Menschen wohnen und versorgt werden. Das Hospital, das 1467 aufgrund einer Stiftung erweitert, in der Folgezeit mehrfach erneuert und 1869 an das Enser Tor verlegt wurde, entwickelte sich danach zu einem Alten- und Pflegeheim.

In der Stiftungsurkunde für das Hospital von 1467 wird erstmals auch das außerhalb der Stadtmauern vor dem Dalwiger Tor gelegene "Malatenhuyß" erwähnt. Die Insassen des Siechen- und Malatenhauses waren Leprakranke. Wie die Chronik berichtet, mussten auch eine Reihe angesehener Korbacher Bürger ihr Leben als Leprakranke in diesem Haus fristen. Erst als sich die Leprakrankheit infolge der verbesserten hygienischen Verhältnisse verlor, wurde das Haus 1727 verkauft und abgerissen.

Bild der Rüdiger-Heilanstalt nach der ersten großen Erweiterung in den Dreißiger Jahren

Aufgrund einer Stiftung der Korbacher Bürgerin Wilhelmine Rüdiger wurde in den Jahren 1871-1873 ein Krankenhaus mit zehn Betten an das am Enser Tor gelegene Hospital gebaut. Auch dieses Krankenhaus sollte nach dem Willen der Stifterin nur arme Kranke aufnehmen, und zwar nur solche aus der Stadt Korbach. Nur sofern Raum vorhanden sei sollten auch "zufällig durchreisende arme Kranke eine vorübergehende Aufnahme finden".

Die Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Gummifabrik und der Eisenbahn in Korbach einsetzende industrielle Entwicklung machte in den Jahren 1910/11 einen Neubau am jetzigen Standort mit 35 Betten notwendig. Neben zwölf Krankenzimmern wurde erstmals auch ein Operationsraum eingerichtet. Wenige Jahre später wurde ein Röntgengerät beschafft. Erst zu diesem Zeitpunkt erhielt die Einrichtung den Charakter eines Krankenhauses im eigentlichen Sinne.

Im Jahre 1927 wurden immerhin schon 429 Kranke in 8005 Pflegetagen behandelt, 194 Operationen durchgeführt und 212 Röntgenaufnahmen erstellt. Leitender Arzt war Medizinalrat Dr. Hartwig, dem zeitweise Dr. Euler zur Seite stand. Das Pflegepersonal bestand aus fünf Schwestern des Diakonissen- Mutterhauses Arolsen "Sophienheim". Die Bevölkerungsentwicklung machte schon 1937 eine Erweiterung des Krankenhauses auf 75 Betten notwendig. Erstmals wurde ein Personenaufzug installiert, so dass der bis dahin notwendige Transport der Patienten über die Treppe unnötig wurde.

Nachdem der Korbacher Zimmermeister Friedrich Bangert der Stiftung nach seinem Tode ein Vermögen von 226.255,- Reichsmark hinterlassen hatte, erhielt das Krankenhaus die Bezeichnung "Rüdiger- und Bangert- Stiftung". In den Jahren 1952, 1967 und 1977 wurden weitere wesentliche Um- und Erweiterungsbauten durchgeführt. Im Rahmen einer rund 15 Mio. Euro umfassenden Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahme in den Jahren 1988 bis 1994 wurden folgende Einrichtungen auf höchstem medizintechnischen Standard neu errichtet: OP-Trakt mit vier Operationssälen, Reanimationsraum, Intensivpflegeeinheit, Liegendanfahrt, Zentrallabor, Röntgenabteilung, Endoskopie, EKG, Ultraschall und Echokardiographie sowie ein modernes Bewegungsbad und eine Physikalische Therapie.

Bild des Stadtkrankenhauses in den 1960er Jahren

In den Jahren 2005 bis 2008 wurde das Krankenhaus Korbach mit einem Investitionsaufwand von 28 Mio. Euro erweitert und ausgebaut. Mit einer hotelartigen Rezeption in einem großen Foyer wird augenfällig unterstrichen, dass der Patient nicht mehr der "arme" Kranke sein soll, sondern ein Kunde, der Anspruch auf beste medizinische Versorgung hat. Den gleichen Eindruck vermittelt auch der wenige Schritte weiter angelegte offene Empfangs- und Wartebereich der Zentralen Aufnahme.

Die um die Zentrale Aufnahme gruppierten Behandlungs- und Untersuchungsräume (Notfallambulanz, Röntgenräume, OP-Räume, Aufwachraum, internistische Funktionsräume wie Endoskopie, Ultraschall, Echokardiografie usw.) sind mit Medizintechnik der neuesten Generation ausgestattet. Zum Verweilen und Genießen lädt die Cafeteria mit Sonnenterrasse ein. In den drei Obergeschossen des Erweiterungsbaus sind drei neue Pflegestationen entstanden. Eine offene Informationstheke, der Aufenthaltsraum für Patienten und die Stationsküche bilden eine großzügige Einheit.

Die Patienten liegen in großen, hellen 2-Bett- oder 1-Bett-Zimmern, die modern möbliert und mit Telefon und Fernsehgerät ausgestattet sind. Mit Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus war es auch möglich, die schon 1994 genehmigte Geriatrische Abteilung einzurichten. Die Zimmer sind mit ihrer Ausstattung auf die älteren Patienten zugeschnitten. Daneben stehen spezielle Einrichtungen wie Krankengymnastik, Lehrküche etc. zur Verfügung. Im dritten Geschoss des Altbaus wurden die Räumlichkeiten großzügig für die Abteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde mit modernen Entbindungsräumen saniert und ausgebaut.

BIld der heutigen Hessenklinik Stadtkrankenhaus Korbach

Das Stadtkrankenhaus Korbach ist heute ein modernes Krankenhaus der Akut- und Regelversorgung mit 228 Planbetten. In der Medizinischen Klinik, Chirurgischen Klinik, Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesie und operativen Intensivmedizin sowie den Belegabteilungen für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Urologie werden jährlich 10.000 Patienten stationär und 16.500 Patienten ambulant behandelt. In den nicht mehr für Krankenhauszwecke benötigten Altbau wurden eine Hebammenpraxis sowie Facharztpraxen für Radiologie und Nuklearmedizin, Innere Medizin, Urologie, Chirurgie, Neurologie, Neurochirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Orthopädie eingerichtet.

Mit der Errichtung eines weiteren Anbaus wurde im April 2013 begonnen. Im Erdgeschoss werden unter anderem eine neue Intensivstation und eine Intermediate Care-Einheit, in den beiden Obergeschossen zwei weitere Pflegestationen und im Untergeschoss eine neues Labor sowie eine Zentralküche entstehen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 19,8 Mio Euro.

Quelle: Wolfgang Kluß, Vom Stadtmedicus zum Stadtkrankenhaus Korbach, Korbach 2010.