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Montag, 12. August 2019

Zertifikat für erstes AltersTraumaZentrum

Klinik ist wegweisend in der Region

Autor: Tanja Jostes, Stadtkrankenhaus Korbach

Dr. Matthias Gernhardt (links, Chefarzt Geriatrie) leitet gemeinsam mit Dr. Arne Fittje (Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie) und Oberärztin Tamara Albrecht das erste AltersTraumaZentrum (ATZ) im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Foto: Stadtkrankenhaus Korbach

Zur besseren Versorgung von älteren Sturzpatienten arbeiten im Stadtkrankenhaus Korbach die Abteilungen für Unfallchirurgie und Geriatrie (Behandlung von Alterserkrankungen) seit einem Jahr Hand in Hand. Dabei werden die optimale Therapieplanung und Betreuung älterer Patienten eng aufeinander abgestimmt. Jetzt wurde das Zentrum für Alterstraumatologie zertifiziert zum „AltersTraumaZentrum DGU®“ und gehört damit zu den 75 geprüften AltersTraumaZentren (kurz: ATZ), die in Deutschland und der Schweiz mit einem Zertifikat ausgezeichnet sind. Das Korbacher ATZ ist das erste zertifizierte Zentrum im Landkreis Waldeck-Frankenberg und der umliegenden Region.

Statistiken zufolge stürzen etwa 30 bis 40 Prozent der 65- und über 80-Jährigen mindestens einmal im Jahr. Demzufolge zählen Frakturen zu den häufigsten Akuterkrankungen älterer Menschen. Wird nach einem Unfall eine stationäre Behandlung erforderlich, muss diese bei älteren Patienten weitreichende Anforderungen erfüllen. Nicht selten liegen neben der eigentlichen Fraktur diverse Alterserkrankungen vor, die gesonderter Behandlungsschwerpunkte bedürfen. Die Behandlung der Senioren erfolgt in der Korbacher Klinik in enger Kooperation von Orthopäden, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgen sowie Fachärzten für Geriatrie. „Durch die optimale Behandlung häufiger Begleiterkrankungen wird eine frühe Rehabilitation ermöglicht. Komplikationen und chronische Verläufe können dadurch besser vermieden werden“, erläutert Dr. Arne Fittje, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, das Konzept.

„Unser Ziel ist es, durch eine schnellstmögliche und komplikationsarme Behandlung – sei es mit oder ohne Operation – den Patienten mit Hilfe einer umfangreichen medizinischen Infrastruktur noch im Krankenhaus wieder auf die Beine zu stellen“, betont Dr. Matthias Gernhardt, Chefarzt der Geriatrie. So soll der Patient in die Lage versetzt werden, Tätigkeiten des alltäglichen Lebens wieder weitgehend selbständig durchzuführen. „Alltägliche Dinge wie selbstständig zu essen, die Körperpflege, aber auch das Aufstehen und Anziehen geben uns im Alter Lebensqualität. Dafür lohnt es sich gemeinsam mit dem Patienten zu kämpfen. Mag der Weg auch manchmal steinig sein“, sind sich die beiden Chefärzte, die gemeinsam das ATZ leiten, einig. Dem Leitungsgremium im ATZ gehören zudem die Zentrumskoordinatorin und unfallchirurgische Oberärztin Tamara Albrecht und der Qualitätsmanager der Klinik, Michael Ricken, an.

Der demographische Wandel macht sich auch in der Krankenhauslandschaft bemerkbar.  Betrachtet man die Entwicklung der über 80-Jährigen, steigt deren Anteil laut Statistischem Bundesamt von sechs Prozent im Jahr 2014 auf 13 Prozent im Jahr 2060. 1950 lag der Anteil der über 80-Jährigen bei lediglich einem Prozent der deutschen Bevölkerung. Gleichzeitig steigt die Zahl der verunfallten älteren Patienten signifikant an. So geht man von einem Anstieg der Oberschenkelbrüche von 25 Prozent bis 2030 aus. „Das bedeutet nicht nur, dass es einen erheblichen Anstieg an Pflegebedürftigen geben wird. Auch aus medizinischer Sicht müssen wir auf die geänderten Anforderungen älterer Patienten eingehen“, betont Sassan Pur, Geschäftsführer des Stadtkrankenhauses in Korbach. In der Hessenklinik hat man mit der Eröffnung der Geriatrie 2008 bereits einen wesentlichen Schritt getan. Seit 2018 betreibt das Stadtkrankenhaus zudem eine geriatrische Außenstelle im Kreiskrankenhaus Frankenberg und macht damit deutlich, dass hausübergreifende Kooperationen funktionieren können. „Mit Gründung des Zentrums für Alterstraumatologie in 2018 und der jetzt erfolgten Zertifizierung führen wir den eingeschlagenen Weg konsequent fort“, so Pur. „Ich bin stolz darauf, dass alle Beteiligten aktiv daran mitgewirkt haben. Denn ohne das Zutun zahlreicher Mitarbeitenden nutzt das beste Konzept nichts.“