Erste Hilfe trotz Corona

Zwei Hände reichen um ein Leben zu retten

Die Bereitschaft, Erste Hilfe zu leisten, ist auch in Zeiten des Corona-Virus lebenswichtig und geht uns alle an. Um das ins Gedächtnis zu rufen, gibt es jährlich den Welt-Erste-Hilfe-Tag, der immer am zweiten Samstag im September stattfindet. Zum diesjährig gewählten Motto „Erste Hilfe-Maßnahmen während der Pandemie“ informiert das Stadtkrankenhaus Korbach über die aktuellen Besonderheiten für Ersthelfer während der Corona-Pandemie.

„Im Notfall ist Erste Hilfe nicht nur wichtig – sie entscheidet oftmals über Leben und Tod“, weiß Dr. Michael Tübben, Chefarzt Anästhesie und Intensivabteilung im Korbacher Krankenhaus. Als Notarzt ist er häufig bei genau diesen Situationen vor Ort. Doch vom Eingang des Notrufes bis zum Ankommen des Notarztes vor Ort vergeht wertvolle Zeit. „Denn meist entscheiden die ersten Minuten nach einem Herzstillstand über die Schwere der Folgen für den Patienten“, so Dr. Tübben. Laien haben oft Hemmungen, sich einem bewusstlosen Menschen zu nähern, zu prüfen, ob er noch atmet, 112 anzurufen und gegebenenfalls eine Herzdruckmassage durchzuführen. „Die Herzdruckmassage nicht perfekt durchzuführen ist nicht so schlimm wie gar nicht erst tätig zu werden“, appelliert der erfahrene Notarzt an alle Ersthelfer. Denn bei einem Herzstillstand bestehe nur bei sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen eine Überlebenschance. Da der aktuell erforderliche Corona-Mindestabstand von 1,50 m im Rahmen der Ersten Hilfe nicht eingehalten werden kann, sei es zudem wichtig, sich auch selbst zu schützen. „Hygiene stand bei der Erstversorgung schon immer weit oben – aber in Zeiten der Corona-Pandemie ist es natürlich um so wichtiger nach Möglichkeit Einmalhandschuhe zu tragen und sich vor dem unbeabsichtigten Anhusten durch den Patienten zu schützen Einmalhandschuhe zu tragen“, erläutert Dr. Tübben. Diese sind seit geraumer Zeit fester Bestandteil eines jeden Erste-Hilfe-Kastens im PKW. Zudem könne ein Mundschutz helfen das Risiko einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus zu verringern. „Ist kein Mundschutz greifbar können Mund und Nase der hilfebedürftigen Person auch mit einem Tuch abgedeckt werden.“ Bei der bisher üblichen Formel „PRÜFEN – RUFEN – DRÜCKEN“ hat der Deutsche Rat für Wiederbelebung die einzelnen Schritte etwas abgewandelt in „Vorsichtig PRÜFEN – bereits im Zweifelsfall RUFEN – schützen und DRÜCKEN“.

Dr. Michael Tübben

Herzdruckmassage wichtiger als Beatmung
Dr. Michael Tübben erläutert, warum im Rahmen der Widerbelebung der Herzdruckmassage eine weitaus größere Bedeutung als der Beatmung zukommt:

  1. Vorsichtig PRÜFEN:
    Reagiert die bewusstlose Person nicht auf Ansprache oder Berührung erfolgt die Atmungskontrolle. Dabei sollte sich der Ersthelfer mit seinem Gesicht nicht zu nah dem Verletzten nähern. So gilt in der Corona-Zeit: Überstrecken des Nackens samt Anheben des Kinns und die Beobachtung etwaiger Brustkorbbewegungen. Sind keine Brustkorbbewegungen erkennbar, ist davon auszugehen, dass der Betroffene nicht atmet, und es folgt sofort der nächste Schritt.
  2. Bereits im Zweifelsfall 112 RUFEN
    Sind beim Bewusstlosen keine Brustkorbbewegungen erkennbar, kann der Ersthelfer davon ausgehen, dass der Betroffene nicht atmet. Dann sofort unter 112 den Notruf absetzen. Darüber bekommen Ersthelfer auch telefonische Anleitung bei der folgenden Herzdruckmassage.
  3. Schützen und DRÜCKEN
    Bei ihnen unbekannten Hilfsbedürftigen können sich Ersthelfer durchaus auf die Herzdruckmassage oder den Einsatz von öffentlich zugänglichen Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) beschränken. „Wer nicht beatmen kann oder dies nicht möchte kann auf die Atemspende bei Erwachsenen verzichten. Lunge und Blut sind in der Regel für zwei bis drei Minuten mit genug Sauerstoff angereichert“, erklärt Dr. Tübben. „Allerdings muss das Blut per Herzdruckmassage manuell durch die Organe gepumpt werden, bis der Rettungsdienst übernehmen kann – das ist immens wichtig!“ Dafür den Brustkorb frei machen und mit der Herzdruckmassage beginnen: Der richtige Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein. „Für die Herzdruckmassage den Brustkorb 100 – 120 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief eindrücken. Für den richtigen Rhythmus hilft es sehr sich im Kopf Lieder wie beispielsweise „Atemlos“ (Helene Fischer), „Danceing Queen“ (ABBA) oder den Titelsong der Kinderserie „Biene Maya“ (Karel Gott) vorzustellen. Nach der Übergabe an den Notarzt oder Rettungssanitäter gilt: Hände gründlich waschen bzw. desinfizieren. Dies kann mittels geeigneter Feuchttücher oder Desinfektionsgel oder –spray erfolgen, die in jedem Erste-Hilfe Kasten ergänzt werden sollten. Zudem rät Dr. Tübben Ersthelfern unbedingt ihre Kontaktdaten an die Rettungssanitäter zu übergeben, für den Fall, dass bei dem Verletzten nachträglich eine Coronainfektion festgestellt wird.

Erste Hilfe bei Kindern
Handelt es sich um bewusstlose Kinder muss de Situation der Atemspende anders bewertet werden. „Bei Kindern mit Atem-Kreislauf-Stillstand ist fast immer zuerst die Atmung ausgefallen und infolgedessen ist es zum Kreislaufstillstand gekommen. Kinder mit Kreislaufstillstand haben daher in der Regel nicht mehr genug Sauerstoff in Lunge und Blut. Eine Atemspende ist hier wesentlich wichtiger als bei Erwachsenen“, so Dr. Tübben.