Ausgeglichen durch die Wechseljahre

Betriebliche Gesundheitsförderung im Klinikum Waldeck-Frankenberg

Die Wechseljahre betreffen jede Frau – und doch wird kaum offen darüber gesprochen. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsprobleme sind nur einige der Symptome, die viele Frauen in dieser Lebensphase begleiten. Dennoch gelten die Wechseljahre noch immer als Tabuthema. Im Klinikum Waldeck-Frankenberg gab es im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung jetzt hilfreiche Tipps für Interessierte. 50 Mitarbeitende der Krankenhäuser Korbach und Frankenberg nutzen die Abendveranstaltung zur Wissensbereicherung.

Die Wechseljahre, medizinisch als Klimakterium bezeichnet, beginnen nicht erst in der klassischen Lebensmitte um die 50 Jahre. Erste hormonelle Veränderungen können bereits ab dem 35 Lebensjahr auftreten. Diese frühe Phase, häufig als Prämenopause bezeichnet, wird von vielen Frauen nicht mit Wechseljahren in Verbindung gebracht, da typische Symptome oft unspezifisch sind. „Neben geläufigen Symptomen wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen führen die hormonellen Veränderungen häufig auch zu Schmerzen und Beschwerden des Bewegungsapparates. „Gelenk- und Muskelschmerzen, Morgensteifigkeit oder diffuse Beschwerden werden von betroffenen Frauen nicht selten als rheumatisch eingeordnet. Tatsächlich kann der sinkender Hormonspiegel Einfluss auf Bindegewebe, Muskulatur und Gelenke nehmen.“, betont Referentin Tanja Steilen (Osteopathie, Physiotherapie, Frauenheilkunde und Gesundheitscoaching). Hormonelle Veränderungen, insbesondere der sinkende Östrogenspiegel, wirken sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das psychische Wohlbefinden aus. Studien zeigen, dass eine frühzeitige Information und individuelle Beratung die Beschwerden deutlich lindern können. „Aushalten ist keine gute Strategie“, sagt Steilen. Denn absinkende Hormonspiegel können viele leichte und schwerwiegende Probleme im Körper hervorrufen. „Es braucht kein aushalten und „stark“ sein, sondern den Mut sich dieser Lebensphase zu stellen und ihr entgegenzutreten.“ Sie beleuchtete das Thema mit einer Prise Humor über Hitze, Hormone und Hochgefühle. Die Teilnehmerinnen erfuhren welche Störungen körperlich, seelisch und emotional entstehen können und was man tun kann, um diese Lebensphase trotzdem zu genießen. Denn diese Phase zufrieden, gesund und entspannt bis ins hohe Alter zu erleben ist nicht selbstverständlich. „Dafür muss aktiv etwas getan werden“, informiert Steilen.

Neben medizinischer Beratung spielen Bewegung, Ernährung, Stressreduktion, ausreichend Schlaf und ein unterstützendes soziales Umfeld eine entscheidende Rolle. “Unser Ziel ist es, die Wechseljahre aus der Tabuzone zu holen und als das zu behandeln, was sie sind: ein bedeutender Lebensabschnitt, der Aufmerksamkeit, Verständnis und Unterstützung verdient“, berichtet Johanna Walkusz (Leiterin der Physiotherapie im Korbacher Krankenhaus), auf deren Initiative das Thema im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung aufgegriffen wurde. „Auch aus physiotherapeutischer Sicht ist ein ganzheitlicher Ansatz sinnvoll, der muskuläre, fasziale und funktionelle Zusammenhänge berücksichtigt, um Beschwerden nachhaltig zu lindern. Gerade ein gezieltes Krafttraining ist wichtig, um dem hormonell bedingten Abbau von Muskelkraft und Stabilität entgegen zu wirken.“

Den kurzweiligen, humorvollen Vortrag belohnten die Teilnehmerinnen mit anhaltendem Applaus. Im Anschluss der Veranstaltung hatten sie Gelegenheit sich persönlich mit Tanja Steilen auszutauschen. Auch Geschäftsführer Sassan Pur freut sich über die gute Resonanz der Veranstaltung: „Wir befinden uns aktuell im Fusionsprozess der beiden Krankenhäuser in Korbach und Frankenberg. Auch solche Veranstaltungen bieten unseren Mitarbeitenden Gelegenheiten sich auszutauschen und gegenseitig kennenzulernen, um zu einem gemeinsamen Klinikum zusammen wachsen zu können. So bietet die Betriebliche Gesundheitsversorgung nicht nur den positiven gesundheitlichen Aspekt, sondern dient auch unserer Gemeinschaft.“ Nach der guten Resonanz der Veranstaltung überlegt die Geschäftsführung, etwas Ähnliches auch für die Männer anzubieten. Denn: auch Männer kommen in die Wechseljahre, wenn auch anders.

Bildunterzeile:
v.l. Tanja Steilen und Johanna Walkusz führten die Teilnehmerinnen mit einer guten Prise Humor durch ein ernstzunehmendes Thema

(Foto: Stadtkrankenhaus Korbach)

Nach oben scrollen