Oberkurs besucht Gedenkstätte

Schüler auf den Spuren von NS-Opfern

Die Gedenkstätte der NS-Euthanasie-Verbrechen in Hadamar hat ein Kurs des Bildungszentrums am Korbacher Stadtkrankenhaus besucht. Die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger/innen erfuhren bei einer dreistündigen Führung, dass rund 15.000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen in dieser Tötungsanstalt der Nazis ermordet wurden.

Begleitet von ihren Lehrerinnen Anette Chrobacsinsky und Nicole Schmidt, nahmen 18 Auszubildende des Oberkurses an der Fahrt nach Hadamar teil. Vor der dreistündigen Führung besichtigte die Korbacher Gruppe das Denkmal der grauen Busse in der Stadt Hadamar – dieses Denkmal aus Beton stellt einen der typischen grauen Busse da, mit denen damals die Menschen in die Tötungsanstalten gebracht wurden. „Wohin bringt ihr uns?“ ist im Innern zu lesen.

Die Auszubildenden und ihre Lehrerinnen liefen vom Denkmal aus denselben Weg zur Gedenkstätte, den die Opfer damals mit dem Bus gefahren wurden. Ein allgemeiner Vortrag zu den Inhalten der von den Nazis durchgeführten Rassenhygiene und Zwangssterilisation leitete die Besichtigung ein. Anschließend gingen die Besucher durch die Räumlichkeiten der damaligen Tötungsanstalt. „Auch dabei sind wir denselben Weg entlang gegangen wie die Menschen, die mit den Bussen ankamen“, berichtet Lehrerin Nicole Schmidt, „also von der Ankunft der Busse bis zur Gaskammer.“ Später bekamen die Azubis auch das Krematorium mit seinem Ofen zu sehen. Während dieser Führung erfuhren die Besucher im Detail, was die Menschen dort erlebt haben beziehungsweise welche Verbrechen an ihnen begangen wurden.

Zum Abschluss besichtigten die Korbacher noch die Stelle des damaligen Kinderfriedhofes, wo auf einer Gedenktafel die Aufschrift „Mensch achte den Menschen“ zu lesen ist – ein Spruch mit zeitloser Gültigkeit und quasi eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Für das Bildungszentrum am Korbacher Stadtkrankenhaus sind Exkursionen wie die nach Hadamar ein Merkmal einer qualitativ guten Ausbildung, um theoretische Inhalte auch außerhalb des Unterrichts erleben zu können. Außerdem sind Fahrten und Besichtigungen für die Schülerinnen und Schüler stets besondere Erlebnisse während der Ausbildung, die lange in Erinnerung bleiben. Die Exkursion nach Hadamar machte nach Auskunft der Lehrerinnen Sinn, da die Rolle der Pflegekräfte im Nationalsozialismus bildhaft dargestellt wurde und die Schüler am Ort des Geschehens waren. „Diese Zeit darf nicht vergessen werden und sollte vor allem auch bei angehenden Pflegekräften das Handeln im Umgang mit anderen Menschen beeinflussen“, betont Nicole Schmidt.

 

Nach oben scrollen