Pflegeausbildung ändert sich 2020

Verbund gegründet für die Ausbildung

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder doch Altenpflege? Auszubildende in Pflegeberufen müssen sich künftig nicht mehr zu Beginn ihrer Ausbildung entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten. Mit dem Pflegeberufegesetz wird die Ausbildung zum 1. Januar 2020 neu geordnet. Um die Ausbildung in diesen unterschiedlichen Bereichen sicherzustellen, hat das Bildungszentrum am Stadtkrankenhaus Korbach einen Ausbildungsverbund gegründet. Gemeinsam mit der Haus am Nordwall gGmbH, der ALBE Pflege- und Fahrdienst GmbH und der Evangelischen Altenhilfezentrum Gesundbrunnen gGmbH startet damit im Landkreis der erste Ausbildungsverbund für die zukünftig generalistische Pflegeausbildung.

„Wir garantieren unseren Schülerinnen und Schülern damit eine gute und einheitliche Qualität in der Ausbildung“, ist Sassan Pur, Geschäftsführer des Stadtkrankenhaus Korbach, überzeugt. Diese erfolgt wie gehabt in separierten Praxis- und Theoriestunden. „Der theoretische Unterricht aller Schülerinnen und Schüler findet bei uns im Bildungszentrum statt“, erläutert Matthias Funke, Leiter des Bildungszentrums am Korbacher Krankenhaus. Dem Bildungszentrum kommt in dem Ausbildungsverbund eine zentrale Rolle zu: „Bei uns findet nicht nur die theoretische Ausbildung statt“, erklärt Funkes Stellvertreterin Daniela Flegel. „Wir übernehmen auch die Einsatzplanung für die Praxisstunden und das Bewerbungsmanagement.“ Die Praxisstunden absolvieren die angehenden Pflegekräfte in den Unternehmen des Ausbildungsverbundes und bei weiteren notwendigen Kooperationspartnern.

Insgesamt 72 Ausbildungsplätze stehen dem Bildungszentrum zur Verfügung – 12 Plätze gehen davon, über drei Jahre verteilt, an die drei Kooperationspartner.

Kern der neuen, bundesweiten Ausbildungsreform ist die sogenannte generalistische Pflegeausbildung. Das bedeutet: Die drei bisher getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einem einheitlichen Ausbildungsberuf zusammengeführt. Mit dem zukünftigen Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“ ist es möglich, sowohl in der Krankenpflege als auch in der Kinderkrankenpflege oder Altenpflege zu arbeiten.

Auszubildende können sich spezialisieren
„Alle Auszubildenden haben die Möglichkeit, sich innerhalb des Ausbildungsverbundes zu spezialisieren“, sagt Funke. Vor Ausbildungsbeginn können sie sich für eine praktische Vertiefung im dritten Ausbildungsjahr in den Bereichen „Stationäre Akutpflege“, „Stationäre Langzeitpflege“ und „Ambulante Akut– und Langzeitpflege“ entscheiden.

Als eine „wertvolle Kooperation innerhalb eines Unternehmens“ bezeichnet Einrichtungsleitung Ribana Klabunde vom „Haus am Nordwall“ den nun geschlossenen Verbund. Die Ausbildung gemeinsam mit dem Mutterhaus zu organisieren und durchzuführen, sei eine „gute und sinnvolle Sache.“ Sowohl Krankenhaus als auch das Zentrum für Pflege und Betreuung am Nordwall sind städtische Einrichtungen. Weil mit dem Bildungszentrum ein gutes Miteinander bestehe, „sind wir froh, in dem neuen Verbund mitwirken zu können“, sagte Christine Alznauer, Geschäftsführerin der ALBE Pflege- und Fahrdienst GmbH. Da die Voraussetzungen bei der Ausbildung in diesen Berufen schwerer würden, „muss man etwas tun.“ Marcus Jahn, Leiter des evangelischen Altenhilfezentrums, bekräftigt, dass seinem Haus „eine gute Ausbildung sehr wichtig“ sei. Dass dies nun dank der Kooperation auch noch in unmittelbarer räumlicher Nähe erfolge, sei ein glücklicher Umstand. Das Altenhilfezentrum liegt nur wenige Meter vom Bildungszentrum entfernt.

Der erste Kurs der neuen generalistischen Pflegeausbildung beginnt im Korbacher Bildungszentrum am 1. Oktober 2020. Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz zur/zum Pflegefachfrau/Pflegefachmann nimmt das Bildungszentrum ganzjährig auch per E-Mail unter Opens window for sending emailbildungszentrum@krankenhaus-korbach.de entgegen. Voraussetzung für die neue Ausbildung ist ein Mittlerer Schulabschluss oder eine zehnjährige allgemeine Schulbildung. Hauptschulabsolventen können die Ausbildung absolvieren, wenn sie über weitere Qualifikationen verfügen. Weitere Informationen zur neuen Ausbildung und zum Bewerbungsverfahren sind zukünftig auf den Homepages des Stadtkrankenhauses Korbach und der Verbundpartner oder telefonisch im Bildungszentrum des Stadtkrankenhauses Korbach (05631/569-118) zu erfahren.

Zum Hintergrund:
Die Reform der Pflegeberufe wurde erforderlich, weil die deutschen Pflegeabschlüsse nicht EU-konform sind. In anderen europäischen Ländern gibt es keine ausdifferenzierten Pflegeberufe wie in Deutschland, sondern lediglich einen einzigen Berufsabschluss im Pflegebereich. Alle Pfleger/Pflegerinnen in der EU sollen ihren Einheits-Abschluss überall anerkannt bekommen. Die Ausbildung soll zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsbereichen befähigen.

  • Die neue Berufsbezeichnung lautet: „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“.
  • Es eine duale Ausbildung, die in Schule (Theorie) und Betrieb (Praxis) erfolgt.
  • Die praktische Ausbildung erfolgt zum überwiegenden Teil bei dem Träger, mit dem der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde (=Ausbildungsbetrieb).
  • Für das 3. Ausbildungsjahr können die Auszubildenden wählen, ob sie weiter den generalistischen Abschluss anstreben oder den Berufsabschluss „Altenpfleger/in“ oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in“ (ohne automatische EU-weite Anerkennung). Die bisherige Gesundheits- und Krankenpflege gibt es nicht mehr.
  • Bundesweit wird kein Schulgeld mehr erhoben. Zudem haben die Azubis Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung.
  • Der Abschluss ist automatisch EU-weit anerkannt.
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